Vaurien-Weltmeisterschaft 2026 in Travemünde – Ostseewelle, Spannung und ein Hauch von Chaos

Die Vaurien-Weltmeisterschaft 2026 in Travemünde war für uns eine ganz besondere seglerische Erfahrung – sportlich anspruchsvoll, aufregend und mit vielen unvergesslichen Momenten.

Bereits am Wochenende vor den Wettfahrten war Karsten im Einsatz. Er unterstützte bei der Vermessung der Boote und stellte dabei schnell fest: Eine Vermessung in einer geschlossenen Bootsklasse ist eine anspruchsvolle Angelegenheit. Die erworbene Expertise war so überzeugend, dass seine Kenntnisse auch im Verlauf der folgenden Woche immer wieder gefragt waren.

Ein Auftakt mit ordentlich Wind und Welle

Der erste Wettfahrttag hatte es dann gleich in sich. Wind und Welle waren so kräftig, dass rund die Hälfte der Mannschaften gar nicht erst an den Start ging. Wir wagten uns hinaus – und wurden dafür mit drei erfolgreich absolvierten Wettfahrten belohnt.

Das katapultierte uns im Ranking zunächst überraschend weit nach vorne und sorgte zugleich für ein kleines „Rennen im Rennen“ innerhalb des SCHa. Es war ein tolles Gefühl, sich plötzlich in einer Position wiederzufinden, mit der wir so nicht gerechnet hatten.

Am Dienstag konnten erneut mehrere Wettfahrten gesegelt werden. Danach kam der Mittwoch gerade recht: Als Restday bot er Gelegenheit, Travemünde und die Umgebung etwas genauer unter die Lupe zu nehmen und zwischendurch auch einmal den Regattamodus zu verlassen.

Wenn Fock und Spinnaker gemeinsame Sache machen

Am Freitag wurde es für uns noch einmal richtig spannend. Mit einem knappen Vorsprung lagen wir zu diesem Zeitpunkt auf Platz 3 der Master-Wertung.

Nach der zweiten Wettfahrt stieg unser Puls allerdings rasant an. Beim Versuch, den Spinnaker zu bergen, gingen Fock und Spi eine ausgesprochen unheilvolle Verbindung ein. Kurz vor dem Start der dritten Wettfahrt konnten wir die beiden schließlich wieder voneinander trennen – gerade noch rechtzeitig.

Doch damit war der Tag noch lange nicht überstanden. Auf der ersten Kreuz verabschiedete sich auch noch die Ummantelung der Großschot. Unsere Aufmerksamkeit galt nun zunächst der Frage, wie wir wieder ausreichend Raum auf der Schot schaffen konnten, um das Großsegel überhaupt fieren zu können.

Segeln bei einer Weltmeisterschaft kann eben manchmal bedeuten, nicht nur gegen die Konkurrenz, sondern auch gegen das eigene Material anzutreten.

WM Travemünde
WM Travemünde
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Vaurien, Travemünde und die Passat

Auch abseits der Wettfahrten hatte die Weltmeisterschaft einiges zu bieten. Die Abende waren geprägt von den Feierlichkeiten der Vaurien-Gemeinschaft und natürlich von der besonderen Atmosphäre der Travemünder Woche.

Zwei Abende durften wir auf der Passat verbringen – ein ganz besonderes Erlebnis und sicherlich einer der Höhepunkte der Woche. Die Mischung aus internationalem Segelsport, Begegnungen mit Seglerinnen und Seglern aus vielen Ländern und der einmaligen Kulisse der Travemünder Woche machte die Weltmeisterschaft auch abseits des Wassers zu einem Erlebnis.

Sportlich wird die Vaurien-Klasse derzeit vor allem von Italien und Spanien dominiert. Beide Nationen waren mit zahlreichen Jugendteams vertreten und zeigten eindrucksvoll, wie lebendig die Klasse im Nachwuchsbereich ist. Doch auch das deutsche Vaurien-Team muss sich keineswegs verstecken. Besonders schön ist dabei, dass die Vaurien-Gemeinschaft generationenübergreifend funktioniert und auch in Deutschland eine engagierte Gemeinschaft bildet.

Ein knapp verpasstes Podium

Am Ende belegte das beste deutsche Team Platz 13. In unserer Master-Wertung wurde es noch einmal besonders spannend: Knut vom SCHa und Miriam konnten uns am letzten Wettkampftag überholen und sich damit den dritten Platz sichern.

Auch wenn wir den Podiumsplatz damit knapp verfehlten, bleibt vor allem die Erinnerung an eine intensive und spannende Regattawoche.

Für mich persönlich war es eine ganz besondere Erfahrung, mit einer Vaurien auf der Ostsee zu segeln. Die Welle kann durchaus Respekt einflößen – und ein offenes Seerevier ist eben nicht mit den uns vertrauten Binnenrevieren zu vergleichen. Die Bedingungen sind rauer, die Distanzen wirken anders und auch das Gefühl an Bord verändert sich, wenn rundherum nicht das vertraute Ufer, sondern die offene Ostsee liegt.

Ein herzlicher Dank gilt den Organisatorinnen und Organisatoren der Travemünder Woche, die dieses große Ereignis hochprofessionell begleitet und damit für hervorragende Bedingungen an Land und auf dem Wasser gesorgt haben.

Und vielleicht ist genau das die besondere Faszination der Vaurien: Man segelt nicht nur um Platzierungen – man erlebt eine internationale, generationenübergreifende Gemeinschaft, die den Spaß am Segeln mit sportlichem Ehrgeiz verbindet. Das Gemeinschaftsgefühl endet dabei keineswegs am Wasser: Gemeinsame Aktivitäten, gesellige Abende und viele gute, oft auch ausgesprochen lustige Gespräche gehören genauso dazu wie die Wettfahrten. Schnell entstehen neue Freundschaften und das Gefühl, Teil einer besonderen Gemeinschaft zu sein, in der man sich gegenseitig unterstützt, Erfahrungen teilt und gemeinsam eine großartige Zeit erlebt – ganz unabhängig davon, unter welcher Flagge man startet.

Für uns bleibt die Erinnerung an eine außergewöhnliche Woche an der Ostsee – mit viel Wind, hohen Wellen, einigen Adrenalinschüben und sehr viel Freude am gemeinsamen Segeln.

Ergebnisse: 137. Travemünder Woche 2026 manage2sail

WM Travemünde
WM Travemünde Master