Vive le Vaurien! – Ein aufregendes Newbie-Wochenende an der Bever
Fünfmal hatte ich zuvor eine Vaurien im Kemnader Hafenbecken gesteuert – bei gemütlichen ein bis zwei Beaufort. Ich fühlte mich also durchaus bereit für meine erste Regatta als Steuerfrau an der Bever. Was sollte schon passieren? Nun ja, die Bever und das Wetter hatten offenbar beschlossen, mich direkt eines Besseren zu belehren!
Am ersten Tag erwarteten uns drei Beaufort Grundwind, dazu zahlreiche hackige Böen, Winddreher und Winddrücker. Und so wurde es bereits ab dem Start zu einer echten Herausforderung, vor allem mit dem Ziel, nicht unfreiwillig im Wasser zu landen. Die Luvtonne erreichten und umrundeten wir tatsächlich, auch wenn mir zwischendurch bereits Pinne und Großschot mal durch die Hand glitten und von meinem erfahrenen Vorschoter Dirk wieder angereicht wurden. Auf dem anschließenden raumen Kurs kamen dann Böe und Entscheidung zusammen: Lieber Q-Wende statt Halse.
Kurz vor der Leetonne kam ich deshalb zu einer wichtigen Erkenntnis: Es ist vielleicht doch eine gute Idee, die eigenen Grenzen zu kennen. Ich bat meinen Vorschoter, lieber die Pinne zu übernehmen. Und dann geschah etwas Erstaunliches: Kaum saß ich auf der Vorschoterposition, war ich tiefenentspannt. Hier wusste ich, was ich tat! Schoten bedienen, mitarbeiten, andere Boote mit im Blick behalten – plötzlich fühlte sich alles wieder vertraut an.
Bei den weiteren Wettfahrten am Samstag und Sonntag wurde munter durchgetauscht. So durfte ich auf der Vorschot gleich vier verschiedene Vaurien und vier unterschiedliche Steuerleute kennenlernen. Das war nicht nur abwechslungsreich, sondern auch eine tolle Gelegenheit, unterschiedliche Menschen und Boote zu erleben. Nicht eine Vaurien gleicht der anderen und es gibt immer mindestens 3 Möglichkeiten, Dinge zu lösen bzw. zu befestigen. Eine weitere persönliche Herausforderung war ein „Mann-über-Bord-Manöver“ unter echten Bedingungen. Auch diese Herausforderung habe ich gemeistert und damit meinen Erfahrungshorizont vergrößert.
Ich habe wieder viel gelernt, neue Erfahrungen gesammelt und festgestellt, dass es manchmal gar nicht darum geht, alles selbst zu können. Manchmal muss man einfach den richtigen Platz an Bord finden.
Besonders schön war auch die Begegnung mit einer neuen Mitseglerin. Wir haben uns auf Anhieb so gut verstanden, dass wir beschlossen haben, bei der Spätlese Ende Oktober gemeinsam als Damenteam anzutreten. Ich freue mich schon darauf!
Ein ganz besonders herzliches Dankeschön geht an Sabine und Holger Isringhaus für die großartige Organisation des Wochenendes. Vielen lieben Dank für die tolle Verköstigung, die Bereitstellung der Schlafräume im Seglerheim und die souveräne Koordination der Land- und Wassercrew. Es ist alles andere als selbstverständlich, ein solches Wochenende auf die Beine zu stellen und dafür zu sorgen, dass sich alle gut aufgehoben fühlen.
Mein Fazit: Vive le Vaurien!
Daniela Naumann – El-Kady