Es war der 30. Mai 2026, und der Plan für unseren Gezeitentörn stand fest: Um Punkt 07:30 Uhr sollten im Reegeul von Schiermonnikoog die Leinen fallen. Doch wer im Watt segelt, schreibt den Fahrplan nicht allein – das macht die Natur. Als wir am Morgen startbereit an Deck standen, zeigte sich schnell, dass uns das Wasser einen Strich durch die Rechnung machte. Es fehlte schlichtweg noch die nötige Tiefe unter dem Kiel. Also hieß es: Ruhe bewahren und Kaffee trinken. Erst ab 08:00 Uhr stieg der Pegel weit genug, sodass wir endlich ablegen und das Reegeul verlassen konnten. Wie sich später herausstellte, war diese kleine Verspätung absolut vernachlässigbar, denn das anrollende Hochwasser brachte im Laufe des Tages mehr als genug Wasser mit sich.
Wir nahmen Kurs durch das Reegeul und steuerten direkt in das Gat von Schiermonnikoog. Ab hier begann das eigentliche Abenteuer, das uns über die Paesensrede mitten hinein in die berüchtigten Watthochs führte. Wierumerwad, Frischewad und Pinkewad hießen die Stationen, die absolute Konzentration der Crew verlangten. Das Echolot war im Dauereinsatz, denn an den markanten Tonnen bauten sich die Sandbänke hoch auf: Bei den Tonnen WW 21 und WW 7 am Wierumerwad sowie an der ZS 22 in der Zuider Spruit betrug die Höhe der Untiefen stellenweise stolze 90 cm bis 1,20 Meter.

 

 

Ulrich
Ulrich
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Für uns alle an Bord war dieser Törn eine echte Premiere, denn wir fuhren das erste Mal bewusst gegen die Flutwelle. Was theoretisch nach einer harten Geduldsprobe klingt, erwies sich in der Praxis als perfekt kalkuliertes Timing. Die rund 20 Seemeilen lange Strecke war im Zeitfenster zwischen der Flutwelle und dem nächsten Niedrigwasser wunderbar und absolut sicher zu schaffen.
Neben der navigatorischen Herausforderung wurden wir mit einem Segeltag wie aus dem Bilderbuch belohnt. Das Wetter zeigte sich von seiner absoluten Schokoladenseite, die Sonne strahlte und der Wind meinte es gut mit uns. Das Schönste daran: Wir mussten uns dieses Paradies kaum mit anderen teilen. Aus ungeklärten Gründen waren an diesem Tag nur ganz wenige andere Boote im Watt unterwegs. So glitten wir fast mutterseelenallein durch die Zuider Spruit und in Richtung Reegeul Ameland – umgeben von nichts als der Weite des Weltnaturerbes und dem Ruf der Seevögel.
Als wir schließlich wieder festmachten, waren sich alle einig: Es war ein rundum gelungener, faszinierender Törn, der einmal mehr bewiesen hat, wie magisch das Segeln im Wattenmeer ist, wenn Taktik und Natur zusammenspielen. Die nächste Tour zurück in den Heimathafen ist gedanklich schon in Planung!
Ulrich

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