Wir, Daniela und Karsten, haben zum ersten Mal ein Dickschiff gechartert: eine Jeanneau Fantasia 27 mit dem Namen Wipe Out. Sie misst rund 6 m und ist laut Vercharterer gut für Einsteiger geeignet. Als erstes Revier haben wir uns die Schlei ausgesucht, um im einzigen deutschen Fjord zu segeln und erste Erfahrungen mit einem Dickschiff zu sammeln.
Unser Vercharterer und das Boot lagen in Schleswig im Wikinger-Hafen. Nach der Ankunft bezogen wir zunächst das Boot und richteten uns ein. Nach der Übergabe durch den Vercharterer ging es am späten Nachmittag bereits zu einer kleinen Erkundungstour hinaus auf die Schlei. Wir sammelten erste Erfahrungen mit dem Ablegen aus der Box, dem Umgang mit dem Kartenplotter und natürlich mit dem gecharterten Schiff selbst. Die Missunder Enge trieb uns durchaus die Schweißperlen auf die Stirn, da kurz hinter einem Tor direkt ein Nordgefahrenzeichen südlich zu umfahren war. Anfangs kam uns das Ganze äußerst eng vor – am dritten Tag fuhren wir jeweils allein souverän auf Kurs, so dass eine:r entspannen konnte. Die Zeit verging wie im Flug, und nach etwa zwei Stunden legten wir wieder sicher im Hafen an.
Am nächsten Tag fuhren wir bei ruhigen 2-3 Bft über die Kleine Breite zur Großen Breite – zunächst unter Motor. Dort setzten wir zum ersten Mal auf diesem Boot die Segel, wobei Karsten den Mastrutschern und einer falsch gelegten Reff etwas nachhelfen musste. Anschließend verbrachten wir viele Stunden damit, das Segelgebiet zu erkunden. Am Nachmittag entschieden wir uns, wieder in den Heimathafen zurückzukehren, bargen die Segel und liefen unter Motor ein. Das Einlaufen in den bekannten Hafen erschien uns sicherer. Der Rest an Neuem für uns war bereits aufregend genug. Abgerundet wurde der Abend durch einen Spaziergang mit Badestopp für Daniela in der Schlei.
Am folgenden Morgen lag dichter Nebel über der Schlei. Wir nutzten die Gelegenheit, um die Stadt Schleswig mit dem Fahrrad zu erkunden. Gegen Mittag lichtete sich der Nebel, und der Wind frischte auf. Wir bereiteten das Schiff vor und motorten erneut zur Großen Breite, um dort die Segel zu setzen. Der Wind hatte inzwischen auf 4 bis 5 Bft aufgefrischt, und wir erlebten einen anspruchsvollen Segeltag mit einer Höchstgeschwindigkeit von 6,5 kn. Da der Wind konstant aus östlicher Richtung blies, konnten wir fast bis zum Hafen allein mit der Genua segeln. Bei rund 5 Bft Vorwind legten wir konzentriert und sicher wieder in der Box an. Karstens Gebet, dass Danielas erster Wurf um den Dalben gelingen möge, wurde erhört. Das restliche Anlegemanöver war damit gesichert.
Am dritten und letzten Tag wollten wir nicht erneut nur auf der Großen Breite segeln und fuhren daher unter Motor weiter die Schlei entlang bis zur Lindaunisbrücke. Einige Kilometer davor wurde die Schlei wieder breit genug, um zu segeln. Es war ein heißer Sommertag, und wir konnten rechts und links an den Ufern die herrliche Landschaft genießen. Zuvor beschäftigten wir uns mit Ankermanövern und inspizierten Anker und Ankerkette. Aufgrund der fortgeschrittenen Stunde und unüberhörbaren Lauten aus unseren Mägen entschieden wir uns dann um 19:30 aber doch dafür, wieder zurück zu fahren und zu Abend zu essen.
Am nächsten Morgen hieß es dann Abschied nehmen: das Boot tanken, entladen, reinigen und übergeben.
Für uns war es eine wunderschöne gemeinsame Zeit mit vielen neuen Erlebnissen und Erfahrungen, die wir sammeln durften.
Karsten und Daniela
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