In der letzten Woche machten sich vier Teams vom SCHa auf den Weg nach Warnemünde, um dort an der Internationalen Deutschen Meisterschaft der Kielzugvogel-Klasse teilzunehmen.
Als erste reisten am Samstag Gero und Benni mit der Elodea an, einen Tag später folgten Oli und Katja mit Snoopy, Kathrin reiste mit der Bahn aus Bayern an. Am Montag folgte Martin mit seiner Vorschoterin Rita und am Dienstag folgte Familie Friedlein in Form von Jörg und Jan.
Übernachtet haben wir auf dem Gelände der Marine. Fortan gehörten zu unseren Utensilien Personalausweise und Passierscheine. Die allmorgendlichen Durchsagen auf den Korvetten waren am ersten Morgen komisch, wurden aber nach und nach zur Routine.
Am ersten Wochenende und Anfang der Woche hielt uns das Wetter auf Trab. Während in der Heimat zwischen 27 und 32 Grad und Sonne herrschten, bestimmten an der Ostsee Regen, 10 Grad weniger als daheim und Sturm, in Böen bis 42 kn unseren Tagesablauf. Zwischen den Schauern bauten wir am Montag die ersten drei Boote auf. Dabei stellte Martin fest, dass einer seiner Salingsbeschläge kaputt war. Kurzerhand schickte Oli seine Nachbarin in seinen Keller und versuchte ihr zu beschreiben, was sie suchen sollte. Nicht einfach für jemanden, der keine Ahnung vom Segeln hat, aber es hat funktioniert und der Beschlag ging noch mit Jörg und Jan auf die Reise an die Ostsee.
Dienstags versuchten wir nach der Vermessung für die IDM möglichst schnell die Boote zu kranen, denn für abends wurde der stärkste Wind angesagt. Die Messwerte lagen am Ende sogar über der Vorhersage. Mit dem ersten Boot versuchten wir zu dritt vom Kran zur Box am Steg zu kommen. Wie auf einem Drachenboot nur ohne lautes Anfeuern von Rudergängerin Katja paddelten Benni und Oli mit allem, was ging und zunächst auch sehr rhythmisch. In den Böen ging es teilweise aber nicht vorwärts. Mit zwei Pausen kamen wir schließlich am gewünschten Steg an. Für das zweite Boot gingen wir zu viert an Bord, drei paddeln, eine am Lenker. Das war deutlich einfacher.
Abends waren lecker etwas essen, anschließend hockten wir uns im Womo zusammen. Irgendwann hörte Katja ein Geräusch, was sich nach Campingtisch anhörte. Kurze Nachfrage bei Gero, ob das sein Tisch gewesen sein könnte, Antwort: nein, der war gerade noch da. Kurzer Blick von Gero nach draußen: doch, das war unser Tisch. Benni konnte den Tisch noch einfangen, bevor er im Hafenbecken der Marine baden gehen konnte, allerdings hatte der Tisch nur noch drei Beine. Ein Sturmopfer, welches nicht mehr mit nach Hause genommen wurde.
Für Mittwoch Vormittag waren 5-6 Bft angekündigt, die Messwerte lagen deutlich darüber. Einige Crews haben sich daher zeitig entschieden, bei einem möglichen Start auf die ersten beiden Wettfahrten zu verzichten. Viele saßen am Hafenbecken nahe des Krans und unterhielten sich, genossen den Ausblick und konnten zusehen, wie das Zielschiff die Klassenflagge der Kieler falsch herum hochgezogen hat und der Vogel auf dem Kopf stand. Ob das ein Zeichen sein sollte? Martin klärte die Crew auf und sie schlugen die Flagge richtig herum an. Nach drei Stunden Startverschiebung wegen Wind und 2,5m Welle fuhren schließlich zwölf Boote zum Startschiff. Die ersten vier Boote kehrten zeitig zurück. Von der Mole aus konnten wir gut die Segler erkennen und stellten uns am Ende die Frage, warum Jörg als Einziger eine weitere Runde segelte. Irgendetwas war komisch. Später im Hafen stellten die anderen Segler fest, dass nur Jörg und Jan den richtigen Kurs, nämlich drei Runden, abgesegelt sind. Allerdings hatte die Wettfahrtleitung keine Rundenprotokolle, auch keinen Blick dafür, welches Boot, auf welcher Position gelegen hat, und somit ergab sich eine ganz bescheidene Situation. Jörg, der als Einziger richtig unterwegs war, wurde gewertet, als wäre er nicht gestartet, weil er zu spät nach den anderen ins Ziel gekommen ist. Und die anderen wurde in der Reihenfolge gewertet, wie sie am Zielschiff vorbeigefahren sind. Der erste Protest von Jörg wurde mangels englischer Sprache abgewiesen, den letzten Protest hat er nachts um 23:30 Uhr eingereicht und nichts mehr vom Wettfahrtleiter gehört. Am Morgen konnte die Segler manage2sail entnehmen, dass die am Vortag gesegelte Wettfahrt annulliert worden ist und alle Ergebnisse nun genullt wurden. Ein Eingeständnis, dass die Wettfahrtleitung Fehler gemacht hatte?
Am Donnerstag gab es noch immer 4-5 Bft, aber inzwischen Sonne pur. Um elf sollte das nächste Startverfahren laufen. Alle SCHa`ler waren auf der Bahn. Bevor die Klassenflagge hochgezogen wurde, machte der Wettfahrtleiter wieder etwas, was wir nicht direkt verstanden. Er zog die Startverschiebung hoch. Dann fuhr ein Mitsegler an uns vorbei und fragte, ob wir das schon bei Gero gesehen hätten? Das sei ein Totalschaden. Wir guckten uns um und konnten eine Ecke entfernt einen Kieler ohne Segel sehen, bei welchem zwei Motorboot waren. Segel dicht, ab dorthin. Auf dem Weg dorthin haben wir immer etwas schwarzes am Rumpf gesehen, was wir uns nicht erklären konnten. Als wir nah dran waren, war uns klar, dass wir einfach so in den Rumpf schauen konnten. Das sah echt übel aus. Den beiden Männern ging es soweit gut, sie durften aber nur noch auf der einen Seite sitzen, nachdem sie zuvor immer wieder zugerufen bekommen haben, dass sie nicht mehr wenden dürften. Warum, hatten sie noch nicht verstanden, hatten das Loch noch nicht gesehen. Aber der „Tasmanische Teufel“ hatte zugeschlagen, soviel stand fest. Das Boot, welches die Kollision verursacht hatte, heißt „Tasmanian Devil“, um das zu erläutern. Als uns klar war, dass wir nicht helfen könnten, drehten wir um und kurz darauf kam das Startsignal zur ersten Wettfahrt. Nach der Wettfahrt kam Jörg zu uns und fragte, was mit Gero sei und ob man das nicht einfach für den nächsten Tag tapen könnte. Wir waren uns einig, Nein, das geht auf gar keinen Fall.
Unterm Kran angekommen, war die Elodea bis zur Oberkante voll Wasser gelaufen. Im Kran wurde sie ganz langsam hochgezogen, um das Wasser ablaufen zu lassen, später wurde der vermeintliche Rest abgepumpt. Als wir nach drei Wettfahrten abends in den Hafen kamen, war allen klar, dass eine provisorische Reparatur nicht möglich sei. Die SCHa-Truppe hat sich am Abend zum Essen vor den Bussen zusammengesetzt, jeder hat etwas beigesteuert und wir haben das Beste aus der Situation gemacht. Familie Skopp hat am nächsten Tag die Zeit zusammen genutzt und einen Tagesausflug gemacht. Abends hatten wir alle zusammen einen schönen Klassenabend gehabt, bevor wir den Abend wieder im gemütlichen Beisammensein zwischen den Bussen und Zelten haben ausklingen lassen. Am Samstag Morgen hat die Elodea ihre Heimreise angetreten, während die anderen Teilnehmer im späteren Tagesverlauf noch zwei Wettfahrten bestritten haben.
Segeltechnisch waren die letzten drei Tage traumhafte Bedingungen, 3-4 / 4-5 Bft, Sonne und Wellen. Der Wettfahrtleiter war echt ein netter, sympathischer Kerl, konnte seine Arbeit nicht so souverän machen, wie wir uns das gewünscht und auch erwartet hätten.
In einem sehr stark besetzten Feld sprang am Ende für Jörg und Jan ein vierter Platz heraus, Oli und Katja auf Platz zehn und Martin mit Rita auf Platz 14. Da die Elodea bereits vor dem ersten Start versenkt worden ist, blieben Gero und Benni ohne Start. Das Wichtigste ist auf jeden Fall, dass es weder bei dem Salingsbeschlag, dem Tisch noch bei der Elodea nur Sachschäden und keinen Personenschaden gab und was mit der Elodea passiert, wird aktuell geklärt.