Vier Segler aus dem Segel-Club Hattingen – Annette, Michael, Ronald und Ingo – machten sich auf den Weg, um mit der Bavaria 37 Merlot die dänische Südsee zu erkunden. Der Törn begann in Laboe und führte uns über Strynö, Lundeborg, Korsør, Omø, Spodsberg und Bagenkop wieder zurück nach Laboe. Ein Rundkurs, der uns alles bot, was Segeln ausmacht: Wind, Flaute, Nebel, Strömung, Tierbegegnungen, Teamarbeit – und sogar mutige Ostseebäder.
Von Laboe nach Strynö – Ein Auftakt mit Druck in den Segeln
Schon der Start hatte es in sich. Mit Windstärken bis 5 Beaufort pustete die Ostsee uns ordentlich den Kopf frei. Die Merlot lag gut am Ruder, und wir kamen zügig voran. Die Stimmung an Bord war ausgezeichnet – das typische Kribbeln, wenn ein neuer Törn beginnt, mischte sich mit Respekt vor den Bedingungen.
Strynö begrüßte uns mit dänischer Gelassenheit. Ein kleiner Hafen, viel Ruhe, und das Gefühl, endlich wieder im Törnmodus angekommen zu sein. Ein morgendliches Eintauchen in die 5 – 7°C warme Ostsee und anschließender Umsonst-Leihfahrradtour rundete das Inselfeeling ab.
Lundeborg, Korsør und eine stürmische Nacht
Weiter ging es nach Lundeborg und anschließend nach Korsør. Die Etappen liefen gut, der Wind nahm langsam ab – bis uns in der dritten Nacht ein Sturm erwischte. Dunkelheit, pfeifender Wind, ruckende Leinen. Die Merlot hielt tapfer durch, und wir mit ihr. Schlaf war eher ein theoretisches Konzept, aber am Morgen danach war klar: Das Team funktioniert.
Omø, Spodsberg und die Kraft des Stroms
Auf dem Weg Richtung Langeland zeigte uns die Ostsee eine weitere ihrer Launen: 2 Knoten Gegenstrom, genau wie vom BSH vorhergesagt. Wer glaubt, Strömung sei nur etwas für Gezeitenreviere, sollte einmal dort segeln. Die Merlot arbeitete sich zuverlässig durch die bewegte See, und wir waren froh, die Manöverleinen des Segel-Club Hattingen an Bord zu haben. Sie kamen mehrfach zum Einsatz – und das mit großem Erfolg. Auch die Rettungstallie wurde in der Praxis erprobt und zeigte, dass sie im Ernstfall wertvolle Dienste leisten würde (Bericht s. unten).
Spodsberg und später Bagenkop boten uns wieder ruhige Häfen, freundliche Dänen und das Gefühl, dass wir uns langsam in die Reise hineingesegelt hatten. Zwischendurch nutzten Annette, Michael und Ronald die Gelegenheit, um sich in der Ostsee abzukühlen. Ob zur Erfrischung, zum Wachwerden oder einfach aus purem Lebensgefühl, man muss es einfach mal machen…
Zweimal Besuch von Schweinswalen
Ein besonderes Geschenk der Ostsee bekamen wir gleich mehrfach: Eine Schule Schweinswale tauchte hinter unserem Heck auf und begleitete uns eine Weile. Diese Momente, wenn die Tiere elegant durch die Wellen gleiten, sind schwer zu beschreiben – sie gehören zu den Augenblicken, die man nicht plant, aber nie vergisst.
Der letzte Tag: Nebel, Stille und höchste Konzentration
Der Rückweg nach Laboe wurde dann noch einmal ganz anders. Kein Wind. Dafür dichter, anhaltender Nebel. Die Welt schrumpfte auf wenige Bootslängen zusammen. AIS, Nebelhorn und Ausguck wurden zu unseren wichtigsten Instrumenten. Das übliche Segeln trat in den Hintergrund, stattdessen war es ein Navigieren mit allen Sinnen und voller Aufmerksamkeit. Ein eindrucksvoller Abschluss, der uns zeigte, wie vielfältig die See sein kann.
Fazit: Ein Törn, der alles hatte
Dieser Segeltörn hatte alles: sportlichen Wind, Flaute, Nebel, Sturm, Strömung, Tierbegegnungen, nationale Köstlichkeiten in Form von dänischen Puddingteilchen und sogar Ostseebäder für die Mutigen. Die Crew aus dem Segel-Club Hattingen funktionierte als Team, die Merlot war ein zuverlässiger Begleiter, und die Ausrüstung des Vereins bewährte sich in der Praxis.
Ein Törn, der uns forderte, begeisterte und reich an Erinnerungen machte – genau so, wie Segeln sein sollte.