Rund Rügen - etwas anders

Geschrieben von Jacob Niewiarra am .

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Am Samstag den 18. Mai trafen ich mich mit Rolf Stöttelder, Michael Heinze und Markus Strauß, einem Bekannten von Michael in Stralsund am Bahnhof um gemeinsam die letzten Kilometer bis nach Breege auf Rügen zu fahren, wo uns eine Varianta 37 von Dehler erwartete. Uns sollten nun 7 aufregende Segeltage zur bevorstehen.

Nach dem wir eingeschifft hatten und die Bootsübergabe erfolgt war, ging es direkt los. Da der Tag sich dem Abend nährte, sollte es ein kurzer 12 Seemeilen-schlag durch den Breezer Bodden vorbei an der Fährverbindung und dem Wieker Bodden nach Vitte auf der Insel Hiddensee gehen. So hatten wir die Möglichkeit das Schiff kennen zu lernen und die Fahrtzeit bis zu offenen Ostsee für den nächsten Tag deutlich zu verkürzen. Bedingt durch den Tiefgang der Varianta, blieb uns in Vitte nur der Pier des Stadthafens. Nach dem Anlegen ging es zu Fuß durch das 250 Einwohner-Dorf an die Westküste der Insel an den Strand.

Der nächste Morgen begann für mich sehr früh. Ich wollte die Gelegenheit nutzen, bei einer morgendlichen Joggingrunde die überschaubare Insel mit ihren 4 Dörfern und knapp 1000 Bewohnern zu erkunden. Leider lag auf dem Wasser, sowie über Land eine Dichte Nebelschicht, die einem zeitweise nur eine Sichtweite von weniger als 50 Metern ermöglichte. Trotzdem ging es für mich nördlich über Kloster in den Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft. Bedingt durch den Nebel und der noch frühen Uhrzeit waren keine Menschen unterwegs. Eine sehr gespenstische Idylle für ein Stadtkind. Nach einem Besuch, des sonst so gut sichtbaren Leuchtturm Dornbusch und einem kurzen Blick von der Steilküste ins Nichts, ging es zurück zum Schiff nach Vitte.

Schnell wurde klar, dass unser Plane, eine Querung der Ostsee Richtung schwedische Südküste sich bei dem bestehendem Nebel schwierig gestalten würde, da einige Verkehrstrennungsgebiete durchquert werden mussten und die Varianta über kein Radar verfügte.
Da der Nebel sich zu lichten schien, entschieden wir uns schon einmal mit der ca. 6 Seemeilen langen Fahrt durch das schmale Fahrwasser gen Norden, ohne ein konkretes Tagesziel, zu beginnen. Leider verdichtete sich der Nebel zeitweise sehr stark. So wurden die ersten Stunden zu einer Fahrt unter höchster Konzentration und Sensibilisierung aller Sinne. Bei eher moderaten Windverhältnissen ging es so nord-ostwärts. Da unter diesen Umständen keine längere Strecke an einem Tag zurückgelegt werden konnte, entschieden wir uns für die Marina in Lohme am Nationalpark Jasmund an der nördlichen Küste Rügens. Anders als man sich es wünschen würde passierten wir das Kap Arkona im dichtesten Nebel. Haare, Augenbrauen und Fleece-kragen waren innerhalb kürzester Zeit klatschnass, ohne dass ein einziger Tropfen regen gefallen war. Nach ca. 7 Stunden Fahrt unter diesen Bedingungen hieß es dann Endlich “Feststoff in Sicht” - Ca. 300 Meter vor Land, konnte man endlich wieder die Steilküste der Insel erkennen. Im Hafen angekommen, verbrachten wir die Zeit an Board und genossen die Ergebnisse der kulinarischen Fertigkeiten von Michael.

Am nächsten Morgen war die Ernüchterung groß, als beim Aufstehen die Rügener Steilküste in noch dichteren Nebel gehüllt war, als am Tag zuvor. Dieses Mal meinte das Wetter es wirklich nicht gut mit uns. Also hieß es erst einmal: Zeit im Hafen verbringen. Nachdem sich zum Nachmittag der Nebel etwas lichtete, versuchten wir unser Glück und starteten ins graue Nirgendwo. Vorbei am, für uns nicht sichtbaren Königstuhl, ging es Richtung Südosten in die Bucht von Saßnitz. Hier hatten wir die Möglichkeit, bedingt durch die warme Luft von Land kommend, bei Nebelfreien Wetter und bei konstanten 20 Knoten Wind ein paar Tonnenmanöver zu Fahren und das Boot auf verschiedenen Kursen zu testen. In der weitläufigen Marina fanden wir ein ruhiges Plätzchen für die Nacht.

Am folgenden Morgen war die Ernüchterung noch größer, als zu dem, für uns schon zur Normalität gewordenen Nebel, auch noch Windstille herrschte. So verbrachten wir den 3 Tag unseres Törns ohne einen Meter das Boot bewegt zu haben in Saßnitz. Die Zeit nutzten wir zu Besichtigung der Stadt und für den Besuch einer Eisdiele.
Ein Lichtblick: die Wettervorhersagen für den nächsten Tag!

Nach einem frühen Frühstück und den Vorbereitungen ging es nun endlich mit einem ambitionierten Ziel auf die Ostsee heraus. Mit einem Kurs von ca. 040° sollte es westlich vorbei am Windpark Arkona Richtung der dänischen Insel Bornholm gehen. Mit durchaus respektablem raumen Wind kamen wir gut voran. Hier hatten wir auch endlich einmal das Vergnügen bei blauem Himmel und Sonnenschein die baltische See genießen zu dürfen. Gegen 18 Uhr erreichten wir den Fährhafen der Hauptstadt Rönne. Unter Segel durchquerten wir den Hafen vorbei an Katamar- und Autofähren. Ziel war allerdings die etwas nördlich gelegene Marina der Stadt. Nach einem kniffeligen Anlegemanöver mit starken Seitenwinden, dem traditionellen Anleger und einem Abendessen, ging es in der Dämmerung noch auf eine kleine Erkundungstour durch die kleinen Straßen der doch sehr ruhigen Kleinstadt. Der restliche Abend wurde mit dem ein oder anderen FAXE-Bier an Board im Salon verbracht.

Am nächsten Morgen, beim Aufwachen verriet bereits das Pfeifen am Mast, dass es uns an diesem Tag an Wind nicht mangeln würde. Nach einem stärkenden Frühstück ging es zeitig mit einem Kurs von ca. 215° Richtung Greifswalder Bodden. Dieses sollte unser weitest entfernte Tagesziel sein. Mit starkem Wind von über 25 kn und entsprechender Dünung ging es dann los. Da der Wind im Verlauf des Tages nachlassen sollten verzichteten wir anfangs auf ein Reff. Da der Wind jedoch, entgegen der Prognose, erst einmal noch an Stärke zulegte, blieb uns keine andere Wahl...
Zum Nachmittag beruhigte sich die See dann etwas. Dies immer nach einem bestimmten Muster: Sobald ich das Ruder übernahm, ließ der Wind um einige Knoten nach. Beim Erreichen der Rügener Küste vor Binz stellte der Wind seinen Dienst komplett ein. Natürlich hatte ich zu dieser Zeit Ruderwache. Unter Motor ging es dann weiter südwärts. Kaum hatte ich das Ruder übergeben, setzte ein schwacher, jedoch stetiger Wind von der Seite ein, sodass wir unsere Fahrt segelnd fortsetzten konnten. Michael versorgte uns derweil mit einem warmen Abendessen. Bei klarem Himmel ging es weiter dem Sonnenuntergang entgegen. Beim Erreichen des Fahrwassers im Bodden schlief der Wind dann allerdings komplett ein, sodass die letzten 15 sm bis Stahlbrode unter Motor zurückgelegt werden mussten. Einen malerischen Sonnenuntergang konnten wir anschießend in der Mitte des Greifswalder Bodden erleben. Die letzten 8 sm wurden dann im Dunkeln durch beleuchtete Fahrwasser und Richtfeuer nach Stahlbrode zurückgelegt. Gegen 23 Uhr erreichten wir unseren Zielhafen. Einen kleinen Mitternachtssnack genossen wir anschließend an Deck bei erstaunlich warmen Temperaturen.

Am folgenden Tag stand die Rückkehr zum Starthafen Breege an. Dazu ging es wieder unter Segel nordwestlich den Strelasund Richtung Stralsund herauf. Wir hatten einen Termin! Die Öffnung der Brücke am Rügendamm um 12:20. Nach der Durchfahrt, suchten wir uns einen freien Platz im Stadthafen der Hansestadt, in Sichtweite zur alten Gorch Fock, wo zurzeit Hafenfest war. Nach einem Bummel durch die Altstadt und einem Fischbrötchen ging es weiter Richtung Hiddensee. Da wir zum Anfang der Woche wenig Gelegenheit hatten, die Insel vom Wasser aus genießen zu können, wollten wir dies nun nachholen. Unter Segel kämpften wir uns hoch am Wind durch die engsten Fahrwasser, wobei Michael dabei seinen Kampfgeist am Ruder unter Beweist stellte. An der Westküste der Insel ging es hoch vorbei am Dornbusch-Leuchtturm und zurück in das südlich verlaufende Fahrwasser Richtung Breeger Bodden. Bei zunehmendem Westwind manövrierte Rolf die Varianta durch die schmalen und nicht sehr tiefen Boddenfahrwasser ostwärts. Nach 246,3 Seemeilen auf der Logge erreichten wir am Freitagabend den Stadthafen von Breege.

 

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