Pott-Regatta mit SKS-Prüfung

Geschrieben von Ingo Löbbert am .

Nach dem "Miezentörn" im letzten Jahr hatten wir drei, d.h. Skipper Rüdiger Hubert, Robin Herbrechter und ich (Ingo Löbbert), im Frühjahr beschlossen, erneut eine Segelwoche auf dem IJsselmeer einzulegen, die zeitlich mit einer Teilnahme an der Pott-Regatta enden sollte. Dazu haben wir uns die "Bella", eine Bavaria-Cruiser 33, als Charteryacht organisiert, die uns in dieser Woche beheimaten sollte.
In den Wochentörn gestartet sind wir am Sonntag (10.9.) und durften direkt sowie den Folgetag erstmal im Hafen von Lelystad verbringen, denn bei 7, in Böen 8 angesagten Windstärken verbietet es sich von selbst, dass eine unerfahrene Crew überhaupt über ein Segeln nachdenkt. So kamen wir zum einen in den Genuss, das Batavia-Museum zu besichtigen, wirklich empfehlenswert, gerade wenn man hier eine Führung mitmacht (gibt´s auf Deutsch), zum anderen sind wir dann eben mit dem Auto nach Urk "übergesetzt".
Da wir am Donnerstag am Startort der Regatta in Enkhuizen sein wollten und für den Mittwoch noch kräftigerer Sturm angesagt war, sind wir dann flott am Dienstag bei 5-6 Windstärken übers IJsselmeer nach Medemblik geweht. Das hat natürlich richtig Spaß gemacht, auch wenn uns bei dieser Fahrt der eine oder andere kräftige Regenschauer begleitete. Mittwochs haben wir dann den Sturm im Hafen von Medemblik abgewettert und mussten zusehen, wie einige an Land liegende Jollen und Bäume einfach umgefegt wurden. segeln 2017 016 20170924 1087039130

Der Donnerstag gestaltete sich dann sehr angenehm, weniger Regen und Wind bis 5 Beaufort, so dass wir auf der kurzen Fahrt von Medemblik nach Enkhuizen das Boot kennenlernen konnten, wir vieles ausprobiert haben und ich auch einiges, insbesondere aber Boje-über-Bord-Manöver, für meine SKS-Prüfung üben konnte.

Freitag früh ging es dann los zur Pott-Regatta, geplanter Start vor Enkhuizen um 12 Uhr. Hier wurden an diesem Tag im IJsselmeer zwei Wettfahrten in 4 Gruppen durchgeführt (ORC I, ORC II, Yardstick und Doublehanded). In beiden Wettfahrten erreichten wir in unserer Yardstick-Gruppe jeweils Platz 8 von 11 bzw. 12 Startern – womit wir für unsere Verhältnisse einigermaßen zufrieden waren. Leider verpassten wir irgendwie (hatten wir zeitlich nicht ganz "auf dem Schirm") das Freibier an der Pier, so dass wir während des Ausschanks Grünkohl zu uns nahmen – na ja, was die anderen trinken, können wir auch essen... Aber auch mit Bordbier war es nett, und mit allen anderen Teilnehmern gemeinsam im "Oude Haven" zu liegen, hat schon seinen ganz eigenen Reiz.

segeln 2017 035 20170924 1145128658Der Samstag gestaltete sich für unsere Regatta-Wertung alles andere als toll: Nach der Skipperbesprechung hieß es, um 9 Uhr auslaufen und ins Markermeer schleusen, wo die geplante dritte Wettfahrt als Langstrecke durchs Markermeer gestartet wurde. Entschlossen, die gestrigen Plätze zu verbessern, starteten wir zügig - wie sich am Ende herausstellte, gemeinsam mit einigen anderen Yachten zu zügig, so dass wir nicht die einzigen waren, die einen sauberen Frühstart hinlegten.... - na ja, da es sich um mehrere Schiffe handelte, waren viele, so wie wir, der Meinung, dass es jeweils einen anderen getroffen habe, weshalb wir weiterfuhren und uns auf den Weg machten. Tolles Wetter, prima Windverhältnisse und viel Spaß auf dem Boot begleiteten uns bis zum Zieleinlauf. Abschließend ging es auf zur 4. Wettfahrt, bei der es nun wieder einen Up-and-Down-Kurs zu absolvieren galt. Hier gelang uns schließlich in der Yardstick-Wertung nicht mehr als der Neunte von 10 Plätzen. Für diesen Regatta-Tag galt für uns dann am Ende, wir sind angekommen und hatten viel Spaß, hinsichtlich des Ergebnisses war eher das Motto "erfolgreich scheitern" angesagt, aber wie heißt es so schön: "Dabei sein ist alles".

Dieses Motto galt allerdings nicht für die an diesem Tag dann auch noch folgende SKS-Prüfung von Valerija und Roman Rogulenko, Sebastian Fuchs und mir. Man stelle sich vor: Sebastian hat an diesem Samstag noch gearbeitet, kam zeitlich knapp weg und stand kurz nach der Abfahrt in Köln ca. eine Stunde im Stau. In persönlicher Rekordzeit absolvierte er dann dennoch die Autofahrt nach Lelystad, unserem Prüfungshafen. Valerija und Roman reisten sehr früh morgens an, verbrachten den gesamten Tag auf der Gatica, dem Start- und Zielschiff der Regatta, und auch ich hatte einen ganzen Regattatag hinter mir.

Um die Prüfung durchzuführen, wurde zunächst kurzerhand die Wettfahrtleitung der Pott-Regatta, bestehend aus Conni und Heinz Bredenbröker von der SSGW sowie Oliver Babik vom SCH, auf unsere "Bella" zur Auswertung umgesiedelt. Somit bestiegen gegen 17 Uhr vier Prüflinge, gut ausgeruht, körperlich absolut frisch und voll auf der Höhe, mental topfit für alle Theoriefragen und hochmotiviert, die Gatica - zu unserem Glück war der Wind auf gut 2 Beaufort abgeflaut. Einige Dinge klappten dann auch nicht sofort, insbesondere auch, da die Prüfer ganz offensichtlich nichts "verschenken" wollten, sondern schon saubere Manöver erwarteten - letztlich haben wir aber alles geschafft. Beispielsweise durfte ich hier in der Prüfung erneut feststellen, dass sich bei einem Boje-über-Bord-Manöver eine Bavaria 33 bei 4-5 Bft. und Übungsmodus ganz anders verhält als eine Hanse 371 bei 2 Bft. in der Prüfungsituation - insbesondere beim Abschätzen von Restgeschwindigkeit an der Boje.

Letztlich an dieser Stelle vielen Dank an alle Beteiligten, insbesondere an Jörg für das Zur-Verfügung-Stellen der Gatica und die große Unterstützung und Hilfe bis zur Prüfung sowie seine Nervenstärke mit uns, an Prüfungs-Bootsführerin Annette, an beide Prüfer für die aus meiner Sicht zwar herausfordernde, aber auch sachgerechte Prüfung, an die Wettfahrtleitung für die "Räumung der Gatica" und (last but not least) an meine beiden Mitsegler in dieser Woche fürs "üben lassen".segeln 2017 054 crew foto 20170924 1118426416

Und um auch die anderen SCH-Segler noch zu erwähnen: Riclef Schomerus und Mirco Gantenberg segelten auf einer Pogo in der Yardstick-Klasse mit, Klaus und Tina Leveque-Emden erreichten auf einer Oceanis im Double Handed Platz 3 von neun Schiffen und Dietrich Werner segelte auf einer X 34 in der ORC 1-Gruppe auf den 2. Platz.